#1

Bäume, Hecken und deren Abstände zum Nachbargrundstück

in Garten & Nachbarschaftsrecht 22.10.2010 15:01
von Sachse | 10.000 Beiträge

Die Nichtbeachtung der vorgeschriebenen Abstände bzw. der Grenzabstände, bei der Anpflanzung von Bäumen und Sträuchern in der Nähe einer Grundstücksgrenze, hat schon so manchen Nachbarschaftsstreit heraufbeschworen. Doch was wäre die Gestaltung einer Außenanlage oder eines Gartens ohne die gestalterische Einbeziehung von Sträuchern, Hecken oder Bäumen?

So bilden Hecken oftmals einen harmonischen Abschluss des Grundstücks, Sträucher beleben das Gesamtbild einer Außenanlage und Bäume spenden nicht nur Schatten. Ohne die gestalterische Einbeziehung von kleinen und größeren Gehölzen, wie Sträuchern, Hecken und Bäumen, wäre die eine oder andere Außenanlage einfach nur trist und öd anzuschauen. Die einzuhaltenden Grenzabstände sollten dabei jedoch beachtet werden. Leider wird von sehr vielen Hobbygärtnern und Eigenheimbesitzern das spätere Größenwachstum eines Baumes, insbesondere die Ausladung seiner Krone, weit unterschätzt. Selbst eine einfache Ligusterhecke kann eine Höhe von über vier Metern erreichen und in der Breite nicht viel weniger ausufern, wenn sie denn nicht regelmäßig zurückgeschnitten wird. Die heimischen Singvögel werden es vor allen in der Brutzeit dankend mit zwitscherndem Gesang zu schätzen wissen, der Nachbar hingegen vermutlich sehr viel weniger. Eventuell führen durch das Wachstum von Gehölzen verringerte Abstände zur Grundstücksgrenze zum handfesten Nachbarschaftsstreit.

Um größere Streitigkeiten zwischen benachbarten Grundstückseigentümern möglichst zu vermeiden, wurden hierzu Grenzabstandsregeln im Nachbarschaftsgesetz der einzelnen Bundesländer festgehalten, in denen die Grenzabstände entsprechend der Wuchshöhe eines Gehölzes zur Grundstücksgrenze geregelt sind. Dieses Nachbarschaftsgesetz könnte von Bundesland zu Bundesland kleinere Abweichungen enthalten, dieser Beitrag nimmt deshalb bezug auf das Nachbarschaftsgesetz von Sachsen-Anhalt.



Folgende Grenzabstände zur Grundstücksgrenze sind hiernach mindestens einzuhalten:






Beachtenswert wäre der Punkt, dass diese Grenzabstände von der Mitte des Stammes dicht über Wurzelhöhe bis zur Grundstückgrenze zu messen sind. Bei Büschen oder Hecken ist hier die Mitte des äußersten Triebes in Richtung Grundstücksgrenze ausschlaggebend. Ein eventueller Überhang einer Baumkrone und die damit verbundenen Regelungen, werden gesondert weiter unten behandelt.

Wurden nun bei der Anpflanzung diese Grenzabstände nicht beachtet, so kann der Grundstücksnachbar innerhalb eines Zeitraums von 5 bzw. von 10 Jahren verlangen, dass der Anstoß des Übels beseitigt wird. Für die Beseitigung eines Gehölzes gilt die Fünfjahresfrist und eine Zehnjahresfrist für den Rückschnitt einer Hecke auf die den Regellungen entsprechende Höhe. Mit dieser 5 bzw. 10 Jahresfrist ist keinesfalls gemeint, dass Eigentümer nun 5 bis 10 Jahre Zeit hätten einen Baum zu fällen oder eine Hecke zu verschneiden. Vielmehr beziehen sich diese Fristen darauf, dass nach 10 Jahre eigentlich kein Einspruch mehr möglich ist. War es dem Grundstücksnachbar 10 Jahre lang egal, ob der Holunder oder Flieder auf der Grundstücksgrenze wuchs, so braucht er sich nicht erst im 11. Jahr darüber zu beschweren.

Ist es bei Hecken noch einfach diese Grenzabstände einzuhalten, brauchen diese ja nur auf eine geringere Höhe zurückgeschnitten werden, so sieht es beim Überhang einer Baumkrone bereits wesentlich anders aus.


Da gänndsch bleede wär`n!
zuletzt bearbeitet 22.10.2010 15:04 | nach oben springen
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#2

RE: Bäume, Hecken und deren Abstände zum Nachbargrundstück

in Garten & Nachbarschaftsrecht 31.10.2010 14:24
von LadyShakees (gelöscht)
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Nachbarschaftsrecht - Überhängende Zweige

Überhängende Zweige von Bäumen und Sträuchern auf das Nachbar Grundstück dürfen vom Nachbar entfernt
und auch behalten werden (§ 910 BGB).
Dabei spielt es keine Rolle wie hoch die Zweige sind oder wie weit diese in das Nachbar Grundstück reichen. Allerdings müssen überhängende Zweige den Nachbar in seiner Grundstücksnutzung tatsächlich behindern,
damit er das Recht hat, diese zu entfernen.
Ein Beispiel wäre, wenn die Zweige seinem Gemüse die Sonnen wegnehmen.
Hat der Nachbar hingegen nur das Gefühl, also ohne triftigen Grund, dass die Äste ihn stören, reicht dies als Begründung nicht aus.
Kommt es hier zu gerichtlichen Streitfällen, ist es oft schwierig für Richter die Situation richtig zu beurteilen.

Bevor jemand überhängende Zweige entfernt, ist er verpflichtet, dem Baum Eigentümer eine ausreichende Frist
zu geben, damit der selber Hand anlegen kann.
Wer zur Tat schreitet ohne dem Baum Eigentümer ein Frist zu setzen, handelt widerrechtlich und kann
sogar zu Schadenersatz verpflichtet werden.
Zu bestimmten Zeiten darf keine Frist gesetzt werden, etwa wenn ein Obstbaum gerade voller Früchte ist.
Übrigens ist der Baum Eigentümer verpflichtet überhängende Zweige zu entfernen, sofern der Nachbar im Recht
ist und die Zweige nicht selbst entfernen möchte.

Was im Nachbarschaftsrecht für überhängende Zweige gilt, zählt im übrigen genauso für Wurzeln die in fremde Grundstücke eindringen.


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