#1

Frühjahrs- und Sommerweine

in Weinkeller 06.03.2011 17:11
von Sachse | 10.000 Beiträge

... es kommt die große Zeit der Sommerweine
Frisch, trocken und leicht müssen sei sein, die Sommerweine, nicht zu aufdringlich, sondern fein und fruchtig. Sommer, das ist die große Zeit der Rosés, ein Wein der von "Kennern" höchst zu Unrecht als überflüssig oder unwichtig abgetan wird. Ein Rosé wird aus Rotweintrauben hergestellt, die nur ein paar Stunden auf der Maische bleiben und so nur eine blassrote Farbe an den Wein abgeben. Dadurch bleiben die Weine frisch und leicht, allerdings auch nicht sehr lagerfähig. Ich habe jedoch im letzten Jahr im hintersten Winkel meines Weinkühlschrankes noch einen 1998er Rosé de Provence gefunden von der Domaine de Lauzade, der schmeckte noch einwandfrei. Natürlich waren die für gerade diese Domaine typischen Fruchtaromen verblasst, aber der Gesamteindruck war harmonisch und der Wein hatte noch ausreichend Süße und Extrakt und keinerlei Essig- oder sonstige Verwesungsnoten.

Kaum ein Wein verkörpert mehr das Gefühl von Urlaub, von Frische, von blauem Meer, Überfluss an gutem Essen, faulen Tagen am Strand und heißen Nächten in der Stranddisko, wie der Rosé. Er hat meine Jugend begleitet, wo wir ihn im 5-l-Kanister beim fahrenden Händler am Straßenrand für ein paar Franc kauften (ein Liter Superbenzin war teuer) und er hat mir in den edelsten Restaurants an der Côte d'Azur treu zur Seite gestanden.

Er passt zum gegrillten Hähnchen ebenso gut wie zum Salade Nicoise, einer Pizza oder der Pissaladière (wie die Variante auf der anderen Seite der italienischen Grenze heißt). Er gehört neben die Tellines (kleine Muschen mit viel Knoblauch und Kräutern gegart) ebenso wie zur Lammschulter, zu den kleinen Ziegenkäsen aus dem Maurenmassiv, den Melonen aus Cavaillon und den Hartwürsten aus Arles (die vor allem nach den Stierkämpfen in Mengen angeboten werden). Eine Bouillabaisse mit geröstetem Brot, Emmental rapé und Rouille kann ich mir ohne Rosé gar nicht vorstellen. Gibt es eine bessere Einstimmung auf ein unkompliziertes Essen im Süden als ein paar Oliven, ein paar Spießchen mit Hartwurst, vielleicht ein paar in safrangegarte Miesmuscheln und einige Palmiers mit Tapenade, als ein frisches kühles Glas Rosé?

Rosé an der Côte d'Azur, das ist die Zeit zwischen Frühjahr und Sommer, wir genießen noch einmal die Lammschulter mit Frühlingsgemüsen und Risotto von rotem Camargue-Reis, dazu einen Rosé aus dem Bandol und dann geht es weiter.

An der Atlantikküste probieren wir noch schnell ein paar Austern, ohne alles auch ohne Zitrone. Einfach nur die frische Salzigkeit des Meeres schmecken, sich den Wind um die Nase wehen lassen und das Gesicht in die Sonne drehen. Klassisch ist hierzu natürlich der Chablis, sein feine nicht zu aufdringliche Säure unterstreicht die Feinheit der Auster. Aber auch ein Muscadet passt. Und wären wir jetzt zu Hause, wir würden es mit einem Riesling probieren. Etwas ungewöhnlicher ist die Kombination der frischen Auster mit einem Süßwein aus dem Westen Frankreich, einem Sauternes, Barsac oder Cerons, aber es funktioniert!

Und dann müssen wir wieder weiter. Der Sommer kommt richtig!

Wenn es heiß wird, hat niemand Lust, aufwändig zu kochen. Es reicht, ein paar Tapas oder ein paar Antipasti auf den Tisch zu stellen, feines Brot dazu einen gut gekühlten Wein. Wenn wir nicht in Urlaub fahren können, dann holen wir uns den Urlaub auf die Terrasse oder den Garten. Ein Oleander oder eine Bougainvillea im Kübel, ein Topf Lavendel auf der Fensterbank, eine Tortilla, panierte oder gegrillte und eingelegte Zucchini, ein paar Scheiben Serrano-Schinken und ein paar marinierte Sardinen und dazu einen weißen Albarino, aus Galicien. Da diese Gegend eine der kühlsten Spaniens ist, gedeihen dort frischere, aromatische Weine mit etwas Säure und feinen Aromen von exotischen Früchten.

Zu diesen klassischen spanischen Tapas passt am besten ein heller junger Rotwein aus Valdepenas, der Region um Kastilien-La Mancha, der Tinto Valdepenas, der manchmal auch unter dem Namen Aloque auftaucht. Er besteht in der Hauptsache aus Tempranillo und einer Weißweinsorte und ist mit um die 10 vol% Alkohol für einen Rotwein angenehm leicht, also genau das Richtige für einen warmen Sommerabend.

Ein weiterer Wein für den Sommer ist der Vinho Verde aus Portugal. Auch er kommt aus der kühlsten Gegend seines Landes, aus der Region Minho. Feine Vertreter dieser portugiesischen Spezialität haben eine sehr intensive Zitrusnote und sind leicht und elegant, es gibt ihn als schäumende aber auch als stille Variante. Mit einem perlenden Vinho Verde lässt sich eine Gartenparty ohne Prosecco eröffnen (und auch beenden). Auch ist er ein feiner leichter Aperitif für ein sommerliches Abendessen.

Eine Abhandlung über Sommerweine (die natürlich nie komplett sein kann) ist unkomplett ohne Lambrusco. Völlig zu Unrecht ist dieser Wein als Pennerwein verschrien - übrigens nur in Deutschland – wohl, weil hier vor Jahren einmal ein Discounter einen gar abscheulichen Lambrusco in der 2-Liter-Flasche verkauft hat, ein Getränk, dass sich hauptsächlich in der Nichtsesshaftenszene aufgrund seines hervorragenden Preis-Mengen-Verhältnisses einer großen Beliebtheit erfreute. Und da schloss man dann gerne von einem auf alle.

Ein einfacher Lambrusco aus der Emilia Romagna ist ein sanft prickelnder, aromatischer, leichter Rotwein mit einer feinen Süße, bestens geeignet einen Grillabend vom würzigen Rostbratwürstchen bis zum T-Bone-Steak zu begleiten. Inzwischen werden auch schwere und kräftige Lambrusci angebaut, aber um die kümmern wir uns mal wieder im Winter. Für den Sommer haben fast alle italienischen Regionen ihre Spezialitäten zu bieten, zum Fisch immer wieder köstlich ein Gavi, (wobei man vielleicht nochmals erwähnen sollte, dass Gavi ein Weinort ist und die Traube in diesem Wein die Cortese ist und der berühmte Weinmacher in Italien Gaja und nicht Gavi heißt, diese Idee habe ich mir mal aus der letzten "Alles über Wein" aus der Heino-Nollmann-Glosse auf Seite 115 entliehen, sie hätte aber auch von mir sein können) oder ein Montepulciano d'Abruzzo als Rosé.

Zu den klassischen italienischen Antipasti, den eingelegten Gemüsen und den kleinen Fischgenüssen passt immer ein italienischer Wein, z.B. ein Dolcetto oder ein Verdiccio.

Allerdings, es gibt ja so ein paar immerwährende Sommeressen - Klassiker, die alle ihren Begleiter im Weinglas suchen, hier ein paar Empfehlungen:

·Melone mit Parmaschinken:
klassisch dazu ein weißer Portwein, fein aber auch ein süßer schäumender Clairette de Die

·Tomaten mit Mozzarella und Basilikum:
Rosé de Provence oder Tavel, aber auch ein leichter italienischer Rotwein, z.B. ein Barbaresco

·Spaghetti mit Cocktailtomaten:
Weißburgunder oder Chardonnay aus dem Barrique, kräftiger Chasselas aus der Schweiz oder dem Badischen, wo er Gutedel heißt

·Guacamole:
neuseeländischer Sauvignon oder ein Elsässer Muskateller

·Paella:
ein leichter spanischer Rotwein aus Navrra oder Penedès, oder auch ein spanischer Rosé

·Salate mit Hähnchen- oder Putenbrust:
kalifornischer Chardonnay

·frittierte Zucchiniblüten:
dazu KANN nur ein provenzalischer Rosé gereicht werden

·Lammkarrée auf Frühlingsgemüsen:
Rotwein aus der Provence oder ein deutscher Spätburgunder

·Crostini mit Hähnchenleber oder Steinpilzpaste:
junger Chianti

·Gazpacho:
trockener Sherry oder trockener Sauvignon blanc

·Garnelen in Knoblauchbutter:
weißer Graves oder ein Weißburgunder

Quelle


Da gänndsch bleede wär`n!
zuletzt bearbeitet 06.03.2011 18:35 | nach oben springen

#2

RE: Frühjahrs- und Sommerweine

in Weinkeller 06.03.2011 18:12
von Gast (gelöscht)
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Herr Guttenberg

so wird das nix mit dem Doktortitel


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#3

RE: Frühjahrs- und Sommerweine

in Weinkeller 06.03.2011 18:39
von Sachse | 10.000 Beiträge

Gut aufgepasst!


Da gänndsch bleede wär`n!
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#4

RE: Frühjahrs- und Sommerweine

in Weinkeller 06.03.2011 18:43
von Gast (gelöscht)
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ein Biertrinker passt auf


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#5

RE: Frühjahrs- und Sommerweine

in Weinkeller 06.03.2011 19:20
von Gast (gelöscht)
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