#51

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 07.11.2011 04:47
von Gast (gelöscht)
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So seltsam schön sind Disteln
sogar noch im Verblühn!
Wer denkt noch an die Stacheln,
wenn diese Lichter glühn?

Du ahnst, dass auch aus Schmerzen
die Schönheit wachsen will ...
Leg dich in Gottes Hände,
vertraue und sei still!

Marta Wild


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#52

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 07.11.2011 15:24
von Gast (gelöscht)
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Waldveilchen
ich lese täglich deine Gedichte und Verse hier


zuletzt bearbeitet 07.11.2011 15:25 | nach oben springen

#53

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 07.11.2011 17:51
von Gast (gelöscht)
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Das freut mich, Gisela!


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#54

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 07.11.2011 17:58
von Gast (gelöscht)
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Ein Regen ist kalt durch den Tag gegangen



Viel Wolken halten den Abend umfangen,
Viel dunkle Falten vom Himmel hangen.
Ein Regen ist kalt durch den Tag gegangen,
Und Stille macht Halt ernst ohne Bewegen.

Der Abend will sich gern niederlegen,
Die Berge reichen den Rücken hin,
Und jeder Stein will dem Dunkel sich bücken
Dem Abend und seinem geheimen Sinn.


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#55

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 08.11.2011 05:49
von Gast (gelöscht)
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Ein schönes, stimmungsvolles Gedicht!


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#56

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 08.11.2011 09:48
von Gast (gelöscht)
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Herbst
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel
1813 - 1863


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#57

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 09.11.2011 04:40
von Gast (gelöscht)
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Schlingpflanzen-Sonett

Windend ringt hoch auf dem Dach der Hopfen
mit Efeu, wirft sich wirr in seine Arme
auf dass die Sonne sengend sich erbarme
und kochen lässt die traumesschweren Tropfen.

Der Efeu, ledern immergrün, zerfleddert
des Hopfens Zapf zu früh - Novemberwinde
vertrocknen ockerfarben Bast und Rinde
der Triebe triebhaft lichtgeil und verheddert.

Wenn dann die ersten Fröste sich erfrechen
wenn eisig Hauch und Reif ein Machtwort sprechen
erliegt der Sandmann seiner eignen Kraft.

Im Efeu kriecht es, atmet, pfeift und spinnt
dieweil der Hopf an Boden still gewinnt
und nächsten Sommers Traumgeschlinge schafft.

Jutta Over


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#58

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 10.11.2011 01:14
von Gast (gelöscht)
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Verloren im Nirgendwo

Siehst du nicht
die Bäume, die uns auslachen
wenn wir uns streiten,
denn sie vertragen sich
wunderbar mit anderen
in einer grünen Allee.

Siehst du nicht
die Blumen
die uns auslachen,
wenn wir böse sind,
denn sie vertragen sich harmonisch
giftige mit ungiftigen.

Siehst du nicht
die Tage
die uns auslachen,
wenn wir uns fremd sind,
denn sie sind für
uns verloren.

Siehst du nicht
den Himmel,
der uns auslacht,
wenn wir uns trennen,
denn er hält alles zusammen.

Katarina Niksic


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#59

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 10.11.2011 19:54
von Gast (gelöscht)
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Herbst
Vergänglich ist der Augenblick,
hältst du ihn fest, kommt er zurück.
Hörst du auf die Stimme aus dem Baum,
wirst du sehn, es ist kein Traum.

Die Wirklichkeit umgibt dich,
du kommst ihr auf die Schlich.
Es ist die Stimme aus dem Baum,
sie führt in einen weiten Raum.

Vergänglich ist die Jahresfrist,
an der auch du gemessen bist.
Doch lass dir vom Herbst die Sicht
schränken und vernebeln nicht.

Wie graue Nebelschwaden zieht
November auch durch dein Gemüt
und scheint die Sinne dir zu rauben.
Kommt das etwa vom Geisterglauben?

Vergänglich sind die grauen Geister,
nur du bist deines Lebens Meister.
Damit es dir nicht werde schwer
und nicht ertrinkst im Tränenmeer.

Noch ist es bunt gefärbt das Laub,
geh aufrecht und erheb dein Haupt.
Der Herbst ist kein finsterer Gesell,
er ist gemütlich und liebt es hell.


zuletzt bearbeitet 10.11.2011 19:54 | nach oben springen

#60

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 11.11.2011 05:01
von Gast (gelöscht)
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Einst war ich eine Blume.
Blumen können ausgerissen werden.
Ich wurde zu einem Baum.
Bäume können gefällt werden.
So bestieg ich die Osttiroler Berge
und wurde zu Stein.
Dort verharrte ich so lange im Gebirge
bis ich stark genug war,
den Menschen zu trotzen.

Ingrid Müller-Schelodetz


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#61

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 11.11.2011 09:43
von Gast (gelöscht)
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Doris

schön das du dich auch hier einbringst


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#62

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 12.11.2011 04:31
von Gast (gelöscht)
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Baumlied

Ich fühle dich, Baum.
Meine Finger sind Borken,
du gibst mir Raum,
als Spiegel für das Ich.
Die Schöpfung sammelt sich
unter Raunen.
Lieder von Faunen und Feen
klingen mir im Ohr.
Staunend
verweile ich davor
und lausche,
wie deine Wurzeln sich um meine Seele drehn,
satt,
wie ein jubelnder Chor.

Gabriele Feyerer


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#63

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 12.11.2011 11:22
von Gast (gelöscht)
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Das Lied der Amsel



Das Lied der Amsel küßt mich wach,
es tönt von einem grauen Dach.
Ein Hauch Natur, im Herz der Stadt,
wo sonst man Menschenlärm nur hat.

Das Lied der Amsel noch im Ohr
verlasse ich das Eingangstor.
Verschlungen von dem Alltagsstress,
die Melodie ich bald vergess'.

Das Lied der Amsel fällt mir ein,
als beim letzten Abendschein,
ich erschöpft nach Hause geh' -
sie auf der Straße liegen seh'.

Das Lied der Amsel ist verstummt,
nur ein Motorrad heiser brummt,
im Morgengraun, am nächsten Tag...
Ob jemand sie vermissen mag?


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#64

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 23.11.2011 15:23
von Sachse | 10.000 Beiträge

Da glänzt in die schneeige Winternacht
Der Mond verklärend und kalt;
Es glitzert in funkelnder Silberpracht
Der Reif an den Bäumen im Wald.
O Welt, wie bist du so schön.
Maurice Reinhold von Stern, (1860 - 1938), österreichischer Dichter aus Wien


Da gänndsch bleede wär`n!
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#65

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 23.11.2011 19:43
von Gast (gelöscht)
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Dunkel war's der Mond schien helle,
Schnee lag auf der grünen Flur
als ein Auto blitzeschnelle,
langsam um die Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute,
schweigend ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschossener Hase,
auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Auf 'ner grünen Rasenbanke,
die rot angestrichen war,
saß ein blondgelockter Jüngling
mit kohlrabenschwarzem Haar.

Im Arm ne' alte Schrulle,
zählte kaum erst 17 Jahr,
In der Hand ne' Butterstulle,
die mit Schmalz bestrichen war.

Und verliebt sprach er zu ihr,
mein geliebtes Trampeltier.
Augen hast du wie Korallen,
die dir aus dem Kopfe fallen.
Und eine Nase sag ich dir,
alle Kälber gleichen dir.

Droben auf dem Apfelbaume,
der sehr süße Birnen trug,
hing der Frühlings letzte Pflaume
und an Nüssen noch genug.

Und der Wagen fuhr im Trabe,
rückwärts einen Berg hinauf.
Droben zog ein alter Rabe
grade eine Turmuhr auf.

Ringsumher herrscht tiefes Schweigen
und mit fürchterlichem Krach,
spielen in des Grases Zweigen
zwei Kamele lautlos Schach.

Und zwei Fische liefen munter,
durch das blaue Kornfeld hin.
Endlich ging die Sonne unter,
und der graue Tag erschien.
Diese traurige Geschichte
war so lustig wie noch nie,
deshalb heißt's auf Wiedersehen,
bleibe bei mir, oh Marie!

Dies Gedicht von Goethe,
schrieb Schiller abends bei der Morgenröte,
als er auf dem Nachttopf saß,
und die Zeitung las...


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#66

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 27.11.2011 14:44
von Gast (gelöscht)
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Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke, 1875-1926


zuletzt bearbeitet 27.11.2011 15:06 | nach oben springen

#67

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 28.11.2011 06:28
von condorBild | 8.286 Beiträge
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#68

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 28.11.2011 09:15
von Gast (gelöscht)
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„Wer mich kennen lernen will, muss meinen Garten kennen, denn mein Garten ist mein Herz.”
~ Hermann Fürst von Pückler-Muskau ~


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#69

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 30.11.2011 06:23
von Gast (gelöscht)
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Das klingt so schön, Gisela!


In Weihnachtszeiten

In Weihnachtszeiten reis' ich gern
Und bin dem Kinderjubel fern
Und geh' in Wald und Schnee allein,
Und manchmal, doch nicht jedes Jahr,
Trifft meine gute Stunde ein,
Dass ich von allem, was da war,
Auf einen Augenblick gesunde
Und irgendwo im Wald für eine Stunde
Der Kindheit Duft erfühle tief im Sinn
Und wieder Knabe bin ...

Hermann Jesse, 1877-1962


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#70

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 04.12.2011 06:38
von Gast (gelöscht)
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Kirschenzweige bringt ein Mädchen
Über kahle, kalte Heide.
Dämmertag ist Nacht geworden,
Dörfchen blinkt wie Lichtgeschmeide.

Engelsstimme singt vom Himmel:
Dunkle Reiser, seid erkoren,
Staubverweht sind lang die Blumen,
Feld und Garten eingefroren.

Ihr nur werdet grünend leben,
Wenn der Erde Pflanzen fehlen.
Heilige Nacht wird Blüten treiben,
Und ein Glück kommt in die Seelen.

Letztes Rot verlischt am Walde.
Ton in Lüften bebt entschwindend.
Über die verhüllte Heide
Haucht der Bergwind, Schnee verkündend.

Hans Carossa


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#71

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 09.12.2011 02:30
von Gast (gelöscht)
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Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke, 1875-1926


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#72

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 11.12.2011 06:29
von Gast (gelöscht)
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Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
ein milder Stern herniederlacht;
Vom Tannenwalde steigen Düfte
und hauchen durch die Winterlüfte
und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken,
das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
mich lieblich heimatlich verlocken
in märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,
anbetend, staunend muss ich stehn;
es sinkt auf meine Augenlider
ein goldner Kindertraum hernieder,
ich fühl's, ein Wunder ist geschehn.

Theodor Storm, 1817-1888


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#73

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 15.12.2011 04:55
von Gast (gelöscht)
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Weihnachtszeit

Wunder schafft die Weihnachtszeit.
Vor dem Dorf, darin verschneit
Jeder Hof und jedes Haus,
Vogelbeerbaum, Nacht für Nacht
Hundert Lichtlein trägt, entfacht,
Die da leuchten weit hinaus.
Achtet seiner Herrlichkeit
Niemand auch im Wintergraus,
Bläst der Wind doch
keins ihm aus,
Alle strahlen dicht gereiht -
Wunder schafft die Weihnachtszeit.

Martin Greif 1839-1911


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#74

RE: Re Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 26.12.2011 04:39
von Gast (gelöscht)
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Sie sagen, immer wann die Jahrszeit naht,

wo man des Heilands Ankunft feiert, singe
die ganze Nacht durch dieser frühe Vogel:
dann darf kein Geist umhergehn, sagen sie;
die Nächte sind gesund, dann trifft kein Stern,
kein' Elfe naht, noch mögen Hexen zaubern:
so gnadenvoll und heilig ist die Zeit.

Aus "Hamlet" von William Shakespeare, 1564-1616


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#75

Natur

in Künstlerisches in Garten & Natur 01.04.2012 11:56
von Glühwürmchen • Garten-Spezialist | 3.800 Beiträge

April

Das ist die Drossel, die da schlägt,
Der Frühling, der mein Herz bewegt;
Ich fühle, die sich hold bezeigen,
Die Geister aus der Erde steigen.
Das Leben fließet wie ein Traum -
Mir ist wie Blume, Blatt und Baum.

Theodor Storm


Carpe diem
LG Glühwürmchen
zuletzt bearbeitet 01.04.2012 11:57 | nach oben springen

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